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Toni hat Recht

Obwohl das Video bestimmt über zehn Jahre alt ist, empfinde ich es als absolutes Meisterwerk. Wer kennt ihn nicht? Den Asi Toni, der zehn Minuten lang „die Wahrheit“ über Frauen erzählt. Viele weibliche Bekannte lassen die Botschaft gar nicht erst an sich heran, weil sie derartig frauenfeindliche Inhalte gar nicht erst konsumieren wollen (oder weil sie mit Vertuschen beschäftigt sind). Mit anderen habe ich tiefgründige Unterhaltungen geführt mit dem immer wieder selben Ergebnis: er hat Recht!

die wollen des vertuschen: Erzähl des ned, bitte erzähl es nicht rum, dass du mich gefickt hast, des bleibt unter uns, ich hab eh einn schlechtes gewissen. Also so ein Scheißgelaber kann sich doch kein Schwanz anhören, ne?

Egal welches Malheur einer guten Freundin von mir auch passiert, jedes Mal hat sie ein unglaublich schlechtes Gewissen und macht das normalerweise nicht. Jeder weiß, dass man für wertvoller gesehen wird, wenn man „brav“ ist – gerade wenn es um feste Beziehungen geht. Gibt man all seine (zum Teil auch wahr gewordene) Fantasien preis, so würde man in der Achtung vieler Menschen sinken. So entsteht eine Diskrepanz zwischen dem, was man eigentlich ist – Maria Magdalena – und seinem Image – das der heiligen Jungfrau Maria. Daraus entstehen die permanenten Schuldgefühle; das „schlechte Gewissen“.

Die Nutten sin raffiniert. Die nehmen die Kohle… an. Die sin raffiniert. Die andern lassen sich so ficken un dann verlieben die sich, die sin soo blööd! Dann verlieben die sich: „Oh, des isser, des is mein Traummann, der is soo geil, och der is soo schee (zu deutsch: schön) des is… des war so n schöner Abend, des war soo romandisch.. Alles abgefuckte Fotzen!!! Hängen geblieben!

Hängen geblieben – definitiv! Auch ich habe mich nach einer romantischen Nacht in Fremde verliebt, absolut hängen geblieben! Ohne die kleinste Ahnung, mit welchem Menschen ich zu tun hatte, war ich verliebt. Obwohl viele das „vertuschen“ möchten, so erkenne ich dieses Verhalten auch bei anderen Frauen wieder. Man sagt, es seien die Bindungshormone, die durch den Orgasmus bei Frauen ausgeschüttet werden.

Die eine so, un wie des machst, wie des als Mann machst,machstes verkehrt! Figgste ned durch, gehen sie Fremd. Kennsch doch von viele Weibern. Die sachen. „ Ich hab en Freund, aber der bringt nix im Bett, des annere alles is OK, aber zum ficken, holen sie sich dann n schönen Assi, der schön was uffm Kasten hatt, er die schön, schön den Kitzler leckt, un schn durchfickt, schönes Programm gibt, der sich ned schämt, der sofort von allen Seiten nimmt un des, darauf stehen sie.

Ob der Freund tatsächlich schlechter im Bett ist, kann man nicht sagen. Doch dass der Asi sich nicht schämt ist die wahre Antriebskraft. Abenteuer, gebrochene Tabus, es ist furchtbar aufregend. Mit dem Freund ist es sehr schön, aber auch langweilig. Man kann es einer Frau im Grunde nicht Recht machen. Das, was man gerade nicht hat oder haben kann, ist doch auch besonders interessant.

Hamm se n Freund, der im Bett ne Rakede is, sin sie natürlich ned zufriede, da sache sie: „ Ahh, haste ned des, machste ned des, kannste ned mal des tun?“ Da drehn se… egal wie des machst, als Mann, egal wie des machst machst verkehrt.

Erklären kann ich mir das nur dadurch, dass man vielleicht Angst hat, diese Rakete zu verlieren, sodass er andere beglückt und man deshalb besonders viele Liebesbeweise benötigt. Er ist ja so gut und könnte jede haben.

Grad die wo gud aussehn, Bredder sin, des sin die wo sich richtisch durchfiggen lassen, weil sie ned genug kriege können

Es kann schon sein, da gut aussehende es gewohnt sind Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen. Je „besser“ das Angebot, desto höher die Nachfrage (zumindest rein sexuell).

 un die hamm kein Plan. Deswegen sin sie so unglücklich, die Fotzen. Emazipation! Guck dir se a wo se enden: „Öhh nöö“ Nur am flenne sin sie, die Fotzen, alda.

Tatsächlich sind viele Frauen unglücklich und eine Frauenrunde beginnt häufig mit Männer-Diskussionen. Liebeskummer ist ein allseits beliebtes Gesprächsthema. Emotionale Wesen sind wir halt.

Wie viele Frauen haben sich wohl hoch errötet an der Stelle wiedererkannt:

schönen Fotzenfürze: pffffffftz pffffffftz! Da sach ich immer lass Dampf ab! Öhh, un dann schämen sie sich, weil sie da unten schön die Luft reingepresst kriegen , die Fotzen, alda! Ey, ohne Spaß, alda. Da machen sie nachher rum: „Ohh, des war mir aber peinlich! Aber wenn sie dann schön durchgefiggt werden, des is denen ned peinlich…

Ich denke, dass dieses Video tatsächlich sehr viel Wahrheit enthält – mein schlechtes Gewissen wurde jedenfalls erleichtert durch das Wissen, dass die anderen, die es vertuschen, genau so abgefuckte Fotzen sind. Tonis Wortwahl veranlasst einige bereits nach nicht einmal einer Minute wegzuklicken und dem Inhalt keine Chance zu geben. Achtet man aber einmal auf den Inhalt – so muss man doch erkennen, dass er wirklich ins Schwarze getroffen hat. Selbstverständlich nicht alles und bestimmt nicht in diesem Ausmaß. „Das ist der Mann für’s Leben“ – an dieser Stelle habe ich von den Mit-Zuschauern verdächtige Blicke bekommen – ja,damit kann ich mich voll und ganz identifizieren. Ich würde sogar soweit gehen, seine Worte als philosophische Glanzleistung zu sehen – er hat’s wirklich geblickt.

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#perfectli(f)e

Viele Frauen tun alles dafür, um schön zu sein. Sie verbringen Stunden damit, Mode-, Style- und Schmink-Inspirationen auf jeglichen Social-Media-Plattformen zu erhalten. Im Vergleich mit diesen wunderschönen, perfekten, feenartigen Wesen schneiden sie in ihrer eigenen Wahrnehmung natürlich jedes Mal schlechter ab.

Haare glätten, shoppen, Nagelstudio, Sonnenbank und viele neue Kleider geben kurzzeitig das Gefühl, dem Schönheitsideal zu entsprechen.

Genau so wie sie ihre Idole gleichzeitig bewundern und beneiden, möchten sie genau so beneidet und bewundert werden. Das Leben der Instagram-Models scheint makellos und aufregend. Millionen von Likes beweisen die Außenwirkung. Ich möchte auch so schön sein und von allen geliebt werden.

Ich sitze mit meinem Pizzakarton und einem Plastikbecher mit schäbbigem Leitungswasser auf meinem vollgekrümelten, billigen Ikea-Bett mit alter, ausgewaschener Bettwäsche, während ich auf dem perfekt inszenierten Modelprofile mit meinen fettigen Fingern auf meinem Display scrolle. Sie essen sorgfältig geschnittenes, frisches Obst und Chia-Samen und trinken grüne Smoothies, joggen in gut sitzenden Leggings und bunten Nike-Frees und bereisen Orte, von denen ich träume, dass ich sie je zu Gesicht bekomme.

Ist diese Schönheit ein Fluch oder ein Segen?

Trotz meines fragwürdigen, disziplinlosen Lebensstils und dem“Auf-die-30-Zugehen“, sehe ich doch recht jung aus. Kaufe ich Tabak, werde ich so gut wie jedes zweite Mal nach meinem Ausweis gefragt. Etliche Menschen erzählen von sogenannten „Problemzonen“, die sie gar nicht mögen. Ich selbst finde kein einziges Körperteil wirklich hässlich. Natürlich könnten einige schöner oder größer sein, doch ich kann nun wirklich nicht über mein Aussehen klagen. Ich habe weder Segelohren, noch eine Hakennase. Ich war noch nie dick. Ich denke, dass, wenn ich mich in Szene setzen würde, ich ebenso ein Instagram-Model sein könnte.

Selbstverständlich habe ich daran gedacht – wer nicht?!

#fashion #style #justgirlthings #healthyfood #fitness #beauty

Es widerstrebt mir, von mir selbst zu behaupten, das Zeug zum Social-Media-Itgirl zu haben. Ich möchte gerne bescheiden sein. Arroganz ist doch das letzte. Doch ich kann nicht leugnen, dass ich einfach weiß, dass ich (noch!) zum oberen Durchschnitt gehöre, was das reine Äußere betrifft. Ich bin dankbar, etwas zu „haben“, was sich viele wünschen.

Ich denke aber auch, dass ein süßes, lustiges, auf den ersten Blick eher unscheinbares, durchschnittliches Mädchen es vielleicht tatsächlich leichter und besser haben könnte. Folgendes:

Ob es sich um eine Party, oder eine neue Arbeitsstelle handelt, oder man einfach neue Leute kennen lernt, wird man von anderen Frauen kritisch beäugt, statt herzlich empfangen. Die unauffälligen, stechenden, beobachtenden Blicke von oben nach unten; ein aufgesetztes Lächeln, zusammen mit einem leisen, emotionslosen „Hallo“, das mich in die Schranken weisen soll. Völlig verunsichert versuche ich ihnen verständlich zu machen, dass ich ganz lieb und nett bin, und einfach nur Spaß haben möchte und an ihnen als Mensch interessiert bin. Irgendwie muss ich häufig beweisen, dass ich doch nett bin und ganz bestimmt niemandem etwas wegnehmen möchte.

Es kommt außerdem häufig vor, dass man Männer ablehnen und abwehren muss und gleichzeitig auf keinen Fall voreilig unterstellen darf, dass sie auf einen stehen. Ist man zu nett, rechnen sie sich weiterhin Chancen aus. Sagt man die Wahrheit, ist man eingebildet. Manchmal ist es anstrengend, dem zehnten Betrunkenen zu verstehen zu geben, dass man das Kompliment annimmt, aber nicht interessiert ist.

Des Weiteren kommt hinzu, dass die Persönlichkeit häufig ignoriert wird. Sex wollen sie ja schließlich alle, wenn ich es übertrieben darstellen darf. Und nein, ich bin nicht die Queen und auch nicht ALLE sind sie hinter mir her. Es gibt auch Leute, die mich mit der Kneifzange nicht anfassen würden. Manche mögen Stracciatella und manche lieber Erdbeereis. Man kann schließlich schlecht einschätzen, ob jemand nur nett ist, weil er ein Abenteuer möchte, oder mich tatsächlich als Menschen wertschätzt. Ich bin müde davon.

Ich denke, dass sich das als Instagram-Model noch weiter verschärfen würde. Man begibt sich somit in die Schusslinie. Man wird beurteilt, beneidet und analysiert. Wofür? Für lächerliche, virtuelle Likes. Ich denke, dass das Model ihren gelangweilten, unterwürfigen Freund dazu zwingt, sie beim Joggen zu begleiten, genau dann, wenn die Sonne das Gesicht und die Figur im besten Licht erstrahlen lässt. Sie verbringt vielleicht Stunden damit, das perfekte Selfie zu erschaffen. Mit ihrem kleinen Chihuahua spielt sie schon lange nicht mehr intensiv, sondern sie dient lediglich dazu, Sympathien bei den Followern zu wecken.

Oh wie süß! So einen möchte ich auch!

Statt kommunikative Pyjama-Mädelsabende zu erleben, in denen gelacht und entspannt wird, wird die gesamte Energie dazu aufgebracht, den Bewunderern Spaß, die perfekte Freundschaft und ein High-Society-Life vorzugaukeln. In Wirklichkeit starren sie den gesamten Abend auf ihren Bildschirm und kontrollieren alle drei Minuten, wie viele neue Likes die geposteten Werke bereits erhalten haben.

Auch der Urlaub verfehlt wahrscheinlich seinen eigentlichen Zweck der Entspannung und der Freizeit. Jede Aktivität wird dazu missbraucht, dass im Endeffekt ein perfektes Instagram-Bild ensteht, das zeigt, wie schön, aufregend und bewundernswert das eigene Leben ist, mit dem jeder einzelne Bewunderer liebend gerne tauschen würde.

Ich stelle mir vor, wie der Langweiler-Model-Freund (den natürlich auch alle gerne hätten), der hauptsächlich als Fotograf und als Illusion der idealen Liebe fungiert, stundenlang mit dem neusten Iphone im Sekundentakt Fotos schießt, während das Model griesgrämig Befehle erteilt und sich auf dem Liegestuhl räkelt. Das ist ja auch das mindeste, schließlich hat er diese perfekte Frau, die alle Männer haben und alle Frauen sein wollen. Anschließend geht es an die angesagte Strandbar, um einen wunderbar dekorierten, überteuerten Cocktail bildlich festzuhalten und mit dem neusten Filter noch prächtiger darzustellen. Die Party verbringt sie stehend oder sitzend, da die Highheels unbequem sind und die Bewegungen laufend kontrolliert werden müssen, um niemals lächerlich oder albern zu wirken.

Wir sehen einen vorzüglichen, hochwertigen Cocktail, perfekte Outfits und Körper, atemberaubende Kleider und glänzende Tragetaschen mit rot und pinken Streifen und prächtigem „Victoria’s Secret“-Logo im Kofferraum eines sauberen, weißen Prollautos. „#thankyou #bestboyfriend“steht unter dem neusten Foto, das eine feine, edle Schatulle mit einer 250€ teuren Michael Kors Uhr.

Ich wünschte, mein Freund käme mal auf die Idee, mir eine Michael Kors Uhr zu schenken! So wunderschön! Hast du ein Glück!

heißt es in einem Kommentar darunter. Eine riesige Party mit fröhlichen, wunderschönen, gut gekleideten Menschen, die mit Champagner anstoßen und unglaublich viel Spaß haben.

I met the wonderful Kylie Jenner. #kyliejenner #party #girlsnightout #bestgirl

Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich nicht mal wirklich, wer Kylie Jenner ist. Irgendeine solche, die bewundert wird einen Prominentenstatus erlangt hat. Ich missbrauche diesen Namen, um etwas zu demonstrieren. Ein Selfie mit dieser Person zeigt, dass das Model bereits Connections zu bedeutenden Celebrities hat. Nicht nur das – sie ist eine von ihnen und gehört zu der Welt der Reichen und Schönen.

Dass sie in der Minute, in der sie sie erblickte, Frontkamera schon offen, bereit zum Angriff, auf sie zurannte und ehe sie etwas dagegen tun konnte außer ein gezwungenes Lächeln aufzusetzen, wird nicht gezeigt.

Selbstverständlich hatte ich niemals ein solches Leben und kann mir nicht anmaßen, so etwas über Menschen zu behaupten, die ich niemals in meinem Leben getroffen habe. Ich kann mich natürlich auch täuschen und diese Mädchen haben den Spaß ihres Lebens und sind einfach von vorne bis hinten perfekt. Die Selfies sind schon so geübt, dass sie ganz nebenbei und entspannt entstehen.

Dennoch habe ich den leichten Verdacht, dass ein wenig Wahrheit in diesen Gedanken steckt, da Perfektionismus häufig mit viel Arbeit und Mühe Hand in Hand geht.

In diesem Sinne: habt ihr leckeres Essen, seid nicht krank, seid nicht behindert, habt ihr gute Freunde, könnt euch unterhalten und lachen, lebt ihr in einem Land mit ausreichend Medikamenten, Lebensmitteln und weitgehend sozialer Freiheit, habt ihr es schon richtig gut. Vielleicht sogar besser, als diese Mädchen. Die Leute wollen mit euch befreundet sein, einfach weil ihr es seid und sie gerne mit euch Zeit verbringen, und nicht, weil ihr DIE KYLIE JENNER seid. Es ist schwer, das zu schätzen, da es nur menschlich ist, sich fortwährend optimieren und sein Leben reicher machen zu wollen.

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Liebe, Abenteuer oder narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Etwas schwierig, einen solch intimen Artikel zu verfassen, da wenige Leser Menschen sind, die mich auch persönlich kennen. Selbstverständlich ist sowas unangenehm. Dennoch finde ich es so erzählenswert, dass ich es wagen möchte.

Immer wieder bekam ich nebenbei mit, dass einige im Bekanntenkreis die berühmtberüchtigte Flirt-App „Tinder“ nutzen. Die zum Teil wahren Vorurteile liste ich noch einmal kurz auf, für die wenigen, die vielleicht noch nie etwas davon gehört haben (falls es so etwas gibt).

  • oberflächlich, da man sich fast nur aufgrund von Fotos für einander „entscheiden“ kann
  • kein Niveau
  • nur Leute, die schnell auf sexuelle Abenteuer aus sind

Bedenken hatte ich vor allem deshalb, da es mir unglaublich peinlich wäre, bei meiner Hochzeit zu erzählen, wie genau mein Ehemann und ich uns kennengelernt haben. Es ist doch irgendwie „erbärmlich“, es nicht zu schaffen, auch draußen, im realen Leben, jemanden kennenzulernen. Das habe ich doch ganz bestimmt nicht nötig!

Wie konnte es also dazu kommen, dass ich diese App auf mein Handy geladen habe, obwohl ich lautstark getönt habe, wie lächerlich ich das Ganze finde.

Einfach weil ich krank im Bett lag, mir die Decke auf den Kopf fiel, ich mich in letzter Zeit wieder bewusst oder unbewusst in Männer verliebt habe und diesen dummerweise auch hinterhergelaufen bin, die es ganz bestimmt nicht gut mit mir meinten und deshalb von Liebeskummer-Anfällen geplagt wurde. Was Langeweile und Isolation nicht alles kann.

Letztendlich gab ein Freund mir den Rat, ich solle es doch einmal bei Tinder versuchen. Es können sich nette Gespräche ergeben, man lenkt sich ab und vielleicht wäre ja doch ein lieber, schüchterner Kerl dabei, der sich so nicht trauen würde, mich anzusprechen.

Die Langeweile und die Einsamkeit gewannen letztendlich gegen meine Abneigung gegenüber solcher Flirt-Apps, die ich ja ganz und gar nicht nötig hatte.

Unglaublich war es, plötzlich immer neue männliche Gesichter wegzuklicken. „Nope“steht fett in rot geschrieben, auf dem für mich als hässliche Fratze empfundenen Gesicht. Nein, den möchte ich nicht. Tinder zog mich richtig in den Bann. Ich wurde immer wählerischer. Ich habe eine Vorliebe für südländisches Aussehen, sodass ich sogar wunderschöne, blonde Alexanders sofort mit „Nope“ betitelte. Da ich dann doch nicht ganz so oberflächlich sein wollte, gewährte ich gnädigerweise vielleicht zwei „langweiligen“, deutschen Stefans die Kommunikation mit mir. Ich sah grenzenlose Möglichkeiten und Türen, die sich für mich öffnen könnten. Gleichzeitig wurde mein Ego gestreichelt, da ich innerhalb von nur zwei Tagen bereits 45 „Matches“ mit wunderschönen Südländern, unzählige Komplimente und zwei Dates bekam.

Hier klicken, falls ihr die Stimmung musikalisch nachempfinden wollt.

Meine Dates waren sehr süße und liebe Männer, was ich nicht erwartet hätte. Sie waren ehrlicher und netter als die meisten, die ich im wahren Leben getroffen hatte. Ich war sogar ein bisschen traurig, als der erste mir sagte, dass ich nicht sein Typ sei. Üblicherweise würde ich mich Grübeln und Selbstzweifeln hingeben, was denn wohl falsch an mir sei. Wahrscheinlich aber ist, dass er den ganzen Tag gearbeitet hat, und mich genau im Gegenteil – krankheitsbedingt langweilte und Redebedarf hatte, zuvor Männer-Grübeleien erlitt und ich unheimlich aufgeregt, aufgekratzt und hyper war. Unsere extrem verschiedenen Stimmungslagen erschwerten die Kommunikation, sodass das Gespräch eher gezwungen verlief und es mir dann häufig passiert, dass ich dann einfach Dinge erzähle, die mir so gerade in den Sinn kommen, statt dem Anderen zuzuhören, oder „interessante“ Dinge zu erzählen.

Statt der mich der Enttäuschung voll und ganz auszuliefern, nicht gefallen zu haben, fragte ich gleich 10 sogenannte „Matches“ an und traf mich mit dem, der als erstes zusagte. Dort stimmte die Wellenlänge, wir lachten viel und konnten aufeinander eingehend kommunizieren.

Selbstverständlich ist die übliche „Kritik“ an dieser App wahr. Ich bin sehr froh, dass ich sofort die Erfahrung der Ablehnung meines ersten Kandidaten gemacht zu haben. Durch diese neue, wunderbare Bewunderung, die mir plötzlich massenhaft entgegen gebracht wurde, erlebte ich eine Art Höhenflug. Ich ertappte mich dabei, wie ich plötzlich dachte:

Dieser Typ hat mich mit einem Super-Like markiert?! Was denkt der hässliche Otto denn? Als ob SO EINER bei mir eine Chance hat!

Dass mir mein Date nun sagte, dass ich nicht sein Typ bin, holte mich wieder auf den Teppich und ich erkannte, dass diese Menschen nur drei Fotos von mir sehen, meine Art, die meine Persönlichkeit ausmacht, aber unzulänglich bleibt und nur im realen Leben zu erkennen gibt.

Hätten mich beide gleich mit Kusshand empfangen, wäre ich vielleicht abgehoben. Diesem ehrlichen Kerl bin ich sehr dankbar dafür. Auch, dass er mich nicht ausgenutzt hat.

In diesem Sinne hat meine sehr kurze Erfahrung mit Tinder gezeigt, dass die virtuelle Bewunderung und Schmeicheleien vielleicht sogar gefährlicher sein könnten, als die Männer selbst, die die App nutzen.

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Verwirrende Zeiten

Nun möchte ich tatsächlich auch einen Artikel zur „Flüchtlingsproblematik“ verfassen, wobei selbst diese Bezeichnung mir bereits widerstrebt. Tatsächlich informiere ich mich bewusst nicht viel mit dieser Thematik.

Ich beobachte, dass viele Menschen unsere Bundeskanzlerin kritisieren. Was wäre gewesen, hätte sie sich anders entschieden und weitaus weniger Menschen einreisen lassen? Ich denke, dass durch die Vergangenheit sehr viel von Deutschland erwartet wird. Ich denke, dass, egal wie sie sich entschieden hätte, es falsch gewesen wäre.

Ich weiß nicht, was ich glauben möchte. Frauen werden von Flüchtlingen vergewaltigt. Frauen werden bezahlt, damit sie aussagen, dass sie von Flüchtlingen vergewaltigt werden. Die Vorkommnisse der Silvesternacht verunsichern mich auch. Dennoch fahren massenweise perverse, deutsche Touristen nach Thailand und vergnügen sich dort auf Kosten armer Menschen. Die Perversion und das Böse ist menschlich und nicht kulturell, es zeigt sich nur in verschiedenen Gesichtern.

Schalte ich den Fernseher an, geht es nur darum. Einen Bericht darüber, wie Flüchtlingsheime angezündet werden; wie Flüchtlinge Straftaten begehen und sofort danach ein Musterbeispiel für gelungene Integration – es verwirrt und macht Angst. Darum möchte ich gar nichts mehr hören. Ich möchte keine Angst haben. Ich möchte weiterhin vorurteilsfrei jedem Menschen begegnen können und ihn als Person ansehen.

Wenn man es überspitzt darstellt gibt es außerdem eine Spaltung zwischen „Nazis“ und „Gutmenschen“, die überhaupt nicht miteinander kommunizieren möchten. Wie soll man denn jemanden überzeugen, wenn man ihn als reinen „Gutmensch“ oder „Nazi“ sieht? Vielleicht ist es doch eine Chance, es wenigstens zu versuchen.

Ich habe auch schon mit Nazis und Pädophilen geredet. Wann hat man schon die Chance, so jemanden zu sprechen. Und kann versuchen, ihn im Gespräch dazu zu bewegen, einen anderen Weg einzuschlagen? – Domian, 2007

Alle sind sehr wütend und konsumieren immer weiter diese Berichte. Ich merke, dass , wenn ich zufällig derartige Debatten sehe, dass ich verwirrt und beängstigt werde und mich schlecht fühle. Wurden nicht damals die Deutschen genau so „von oben“ mit ihren eigenen Emotionen kontrolliert und gelähmt, sodass ungehindert jemand an die Macht kommen konnte, der so viel zerstört hat? Irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass tatsächlich irgendetwas geplant ist, von etwas Größerem wegen Macht oder Geld und wir wissen einfach nichts.

Ich weiß nicht, ob es abartig ist, oder unmenschlich, sich diesen Informationen zu verweigern. Immerhin weiß ich nicht genau, was ich „dagegen“ tun kann. Lieber verweigern oder verrückt werden?

Die Welt ist ein großer Sandkasten und die Länder die Kinder, die sich um ihre Schaufeln und Eimer streiten.

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Männer und Katzen

Unzählige Ratgeber, Artikel, Literatur findet man über die Kommunikation und Beziehung zwischen Mann und Frau. Obwohl man Theorien kennt und endlose Gespräche geführt hat, lernt man niemals aus. Man kann sich noch in zehn Jahren den Kopf zerbrechen. Meine neuste Erkenntnis ist, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau einer zwischen Katze und Frauchen ähnelt.

Selbstverständlich möchte ich damit nicht sagen, dass Katzen Männer ersetzen können! Es gibt allerdings wahrhaftig Parallelen.

Welche Bedürfnisse hat eine Katze?

Sie möchte ihre Freiheit genießen und tun, wozu sie Lust hat und kommen und gehen, wann sie möchte. Dennoch kehrt sie immer freiwillig zu ihrem Zuhause zurück. Sie weiß, dass sie dort willkommen ist, respektiert und geliebt wird und ihr Essen bekommt. Als Dankeschön bringt sie Geschenke, die nett gemeint sind, aber worüber man sich nicht wirklich freut. Dennoch zeigt sie ihre Dankbarkeit und man liebt sie, wie sie ist.

Möchte man eine Beziehung mit einer Katze eingehen, so muss man auf ihre Bedürfnisse achten. Rennt man auf sie zu und nimmt man sie auf den Arm, hält sie fest und lässt sie nicht mehr los, wird sie die Zuneigung garantiert nicht erwidern. Im Gegenteil: sie bekommt Angst und läuft davon. Sie wird ein Frauchen wählen, das ihr immerzu vorsichtig und langsam beweist, dass sie ihre Bedürfnisse respektiert. So kann das Kätzchen vertrauen.

Folgende Situation: Man liegt auf dem Sofa und kuschelt innig mit der Katze. Sie schnurrt und ist völlig zufrieden. Aus heiterem Himmel kratzt sie und hat einfach keine Lust mehr. Es verletzt einen selbstverständlich und man ist ratlos. Was habe ich falsch gemacht? Eben noch wollte sie es auch! Wie kann sie sich nur so von mir abwenden!?

Die Katze hat einfach keine Lust mehr, möchte schlafen, gemütlich ihr Fell säubern, oder essen. Vielleicht auch einfach ihre Ruhe haben.

Ginge man hin, nimmt die Katze zu sich und zwingt ihr Zärtlichkeiten auf, würde sie sehr wahrscheinlich aggressiv werden. Lässt man sie in Ruhe, wird sie bald schon zurückkommen und dankbar sein.

Eine Katze wird in ihrer Andersartigkeit geschätzt und geliebt, ihre Bedürfnisse respektiert und nur so kann die Beziehung funktionieren.

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Todsünde Trägheit

Um langfristig zufrieden zu sein, braucht man Aufgaben und Ziele. Was passiert also, wenn beides nicht vorhanden ist? Fleißige Menschen werden häufig wütend, wenn sie Personen begegnen, die in ihren Augen faul sind. Selbstverständlich haben sie viel Zeit, um die schönen Dinge des Lebens zu genießen. Doch schaut man genauer hin, haben es die Faulen gar nicht so leicht. Bereits der kleine, aber feine Unterschied, dass der Ehrgeizige gebraucht wird, macht sehr viel aus.

  1. Chronische Unzufriedenheit
    Langeweile. Die Decke fällt mir auf den Kopf. Stundenlang schaue ich Youtube-Videos. Mir fallen einige Dinge ein, die ich tun könnte und wichtig wären, doch selbst die kleinsten Aufgaben wie z.B. einen Teller zu spülen werden zunehmend anstrengender. Das Ausruhen, das dazu dient, Kraft zu tanken, wirkt im Überfluss gegenteilig. Dadurch, dass ich so schlechte Laune habe, möchte ich nur noch Dinge tun, die mir Freude bereiten. Während ich diese Dinge tu, denke ich, dass ich sie überhaupt nicht verdient habe, weil ich so ein faules Stück bin. Das Selbstbewusstsein sinkt in den Keller. Es ist kaum möglich, die Dinge zu schätzen, da sie permanent verfügbar sind. Ich beginne, mich innerlich dafür zu hassen, dass ich nicht dankbar sein kann.
  2. Grübeln
    Durch die massenhaft vorhandene Zeit beginne ich sehr sehr viel nachzudenken. Ich bemerke merkwürdige Dinge, die in meinem Kopf stattfinden. Wahrscheinlich habe ich eine Angststörung, oder ich habe eine Psychose. Ich schaue mir Dokus an und lese massenhaft Artikel und sehe die Bestätigung schwarz auf weiß. Auf jeden Fall leide ich an einer psychischen Störung. Reinsteigern, reinsteigern, reinsteigern.
  3. Selbstzerstörerische Handlungen
    Diese Ziellosigkeit und Leere muss gefüllt werden, sodass ich beginne, Dinge zu tun, die nicht gut für mich sind. Ich konsumiere, also bin ich. Und lebe über meine Verhältnisse. Das nagende, schlechte Gewissen, das einen in den Wahnsinn treibt und nur durch weiteren Konsum geschwächt wird. Ein Teufelskreis.

    Was tun?
    Stellt euch die Frage „Was kann ich machen, um diese Situation zu verbessern?“ Wenn man jeden Tag die selben Zutaten zum Kochen verwendet, kann man nicht erwarten, dass das Essen anders schmeckt. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass das viele Grübeln zu einer Lösung führen wird. Tatsächlich kann man nur durch AKTIV sein etwas verändern.

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Tipps für schöne & lange Haare

Tatsächlich beschwert sich der Friseur seit einiger Zeit weitaus weniger über meine Haarpracht. Ich möchte mir meinen Kindheitstraum erfüllen und einmal sehr schöne, lange Haare haben wie eine Prinzessin! Und meine Haare waren immer splissig, dünn und mittellang (so lang wie es eben geht). Jedes Mal mussten nach den üblichen ungefähr drei Monaten einige cm ab. Ich habe viel recherchiert und seit ich die Haarverbesserungsvorschläge so gut es geht befolge, hat sich meine Haarqualität tatsächlich verbessert und der Friseur viel weniger abschneiden müssen. Diese möchte ich hier gerne mit denen teilen, die sich eben diesen Wunsch auch erfüllen möchten. Außerdem lebt es sich, sobald man sich umgewöhnt hat, viel gechillter!

  1. Schlafensfrisur
    Wir möchten jede mögliche Reibung, die zu Haarbruch führt, vermeiden. Ein lockerer Dutt, weit am Oberkopf (sodass man nicht unangenehm darauf liegt) vermindert eben diese Reibung.
  2. Sanft abtrocknen
    Mit dem Handtuch die Haare fest umklammern und das restliche Wasser sanft herausdrücken, statt hektisch zu reiben.
  3. Seltener waschen
    Die Haare nicht jeden Tag waschen. Alle 2-4 Tage reicht, jenachdem, was man vor hat
  4. So wenig Hitze wie möglich
    Nicht unnötig föhnen, glätten oder Locken machen. Es reicht an besonderen Anlässen. Zu Beginn ist es schwer, doch lernt man es zu schätzen, dass der Regen einen nicht mehr ärgern kann. Man gewöhnt sich an seine natürlichen, ungleichmäßigen Wellen und Wirbeln und lernt sie zu mögen und mit ihnen auszukommen.
  5. Pflegen
    Kokosöl in die Schlafensduttfrisur, sofern ihr vor habt, euch am nächsten Morgen die Haare zu waschen. Nach dem Waschen eine Kur oder Spülung verwenden.
  6. Tangle Teezer
    Ich habe mich lange Zeit gegen diese überteuerte, unästhetische Plastikbürste gewehrt, die ein wenig nach Pferdekamm aussieht. Doch tatsächlich ist sie es wirklich wert. Der Tangle Teezer gleitet durch das Haar, löst Knoten sanft und reißt weitaus weniger Haare heraus als herkömmliche Bürsten! Es ist wirklich eine Wunderbürste. Ich hasse es, für alltägliche Gebrauchsgegenstände viel Geld auszugeben, aber diese Bürste würde ich tatsächlich nachkaufen, würde ich sie verlieren.
  7. Richtig bürsten
    Nicht zu oft! (es geht um Haare, falls du etwas anderes denkst) Und immer nur im trockenen Zustand. Am besten vorm Waschen und dann erst wieder, wenn die Haare getrocknet sind.
  8. Schneiden
    Ca. alle 2-3 Monate zum Friseur gehen und die Spitzen schneiden. Macht ihr das nicht, muss der Friseur euch nach einem Jahr sehr viel mehr abschneiden, als das Spitzenschneiden insgesamt das Jahr über gewesen wäre, wenn ihr mir folgen könnt. Ihr wollt schönes, langes Haar und keine langen, fransigen, dünnen Zottel.